Super Positiv

Filmentwicklung und Scans aus Handarbeit. 35mm, 120/220 und 4x5 bis 180 Megapixel. Deutschlandweit aus Braunschweig.

Abgelaufene Filme belichten,
lagern und entwickeln

Abgelaufene Filme sind schon eine tolle Sache: deutlich günstigere Preise, ein riesiges Sortiment an Filmen + Formaten, sowie ein experimenteller Look ganz ohne Nachbearbeitung!

Allerdings gibt es einiges zu beachten – von der Lagerung über die Belichtung bis hin zur Entwicklung. Auf geht’s!

Belichtung

Auf dem Filmkarton steht für gewöhnlich ein Haltbarkeitsdatum. Bis zu diesem Zeitpunkt verhält sich der Film so wie vom Hersteller angegeben, sprich: die Lichtempfindlichkeit (ISO) passt und auch die Farbwiedergabe sorgt für keine Überraschungen. Nach Ablauf ist der Film natürlich nicht plötzlich unbrauchbar, sondern der Alterungsprozess überschreitet langsam die Toleranzgrenzen. Schlecht für perfekt zuverlässige Farben, super für einen experimentelleren Look.

Hauptsächlich verliert der Film an Lichtempfindlichkeit und produziert gröberes Korn. Da Farbnegativ-Filme in der Regel aus drei Schichten bestehen, die allesamt unterschiedlich schnell altern, entstehen zudem ungewöhnliche Farbverschiebungen.

Fuji PRO 400h (35mm, 12 Jahre abgelaufen)
Fuji PRO 400h: 35mm, 12 Jahre abgelaufen, belichtet mit ISO 200

Die Faustregel ist: Pro abgelaufenen Jahrzehnt halbiert sich der ISO-Wert, d.h. ein ISO 400 Film wird nach 10 Jahren mit ISO 200 belichtet, nach 20 Jahren mit ISO 100 und so weiter. Mehr als drei Halbierungen sind in der Regel nicht nötig, da der Alterungsprozess nach ca. 30 Jahren bei den meisten Filmen stagniert. Filme mit sehr niedriger Empfindlichkeit altern meiner Erfahrung nach deutlich langsamer und sinken nie unter ISO 6 – 12. Umgekehrt verlieren Filme über ISO 400 recht schnell an Empfindlichkeit und pendeln sich nach ca. 30 Jahren häufig bei ISO 50 ein.

Im Zweifel gilt aber: Negativfilme lieben Licht und stecken eine starke Überbelichtung besser weg als eine Unterbelichtung.

Fotograf*innen die ihre frischen Filme bereits mit etwas mehr Licht verwöhnen, um eine bestimmte Ästhetik zu erzeugen, nehmen einfach ihren gewünschten ISO-Wert als Ausgangsbasis für die Halbierungen.

Dia/Positiv-Filme sind da etwas kniffliger: die Belichtungstoleranz ist minimal und bei abgelaufenen Filmen lässt sich die korrekte Empfindlichkeit nur erraten. Abhilfe schafft eine Negativ-Entwicklung in C-41 oder S/W-Chemie, da sich der Belichtungsspielraum etwas erweitert. Diese Entwicklung verstärkt allerdings die Farbverschiebungen.

Lagerung

Prinzipiell gilt: eine kühle und dunkle Lagerung verlangsamt den Alterungsprozess. Profi-Fotograf*innen lagern ihre Filme deshalb meistens im Kühlschrank oder im Gefrierfach – vor allem in wärmeren Gegenden.

Es gibt einige wenige Film-Typen, die nach 20 Jahren im Gefrierfach kaum von Neuware zu unterscheiden sind, aber dies ist eher die Ausnahme. Wer seine abgelaufenen Filme bei eBay und Co. ersteigert, der sollte nicht davon ausgehen, dass die Filme über Jahrzehnte perfekt gelagert wurden. Man könnte zwar argumentieren, dass Mittelformat- und Großformat-Filme hauptsächlich von Profis gekauft und daher besser gelagert wurden, aber mit den oben genannten Leitfaden ist man definitiv auf der sichereren Seite.

Ferrania Solaris 200 (35mm, 10 Jahre abgelaufen)
Ferrania Solaris 200: 35mm, 10 Jahre abgelaufen, belichtet als ISO 80

Beim Kauf würde ich immer darauf achten, dass die Lagerung in irgendeiner Form erwähnt und der Film inklusive Verpackung angeboten wird – die verrät nämlich das genaue Ablaufdatum und hat den Film tendenziell vor Lichteinfall geschützt. Eine 35mm-Filmpatrone oder ein loser Mittelformat-Film ist nämlich nicht 100% lichtdicht – insbesondere über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Entwicklung

Wir entwickeln + scannen abgelaufene Filme und passen den gesamten Prozess individuell an das Filmmaterial an.

Der Farbnegativ-Prozess C-41 ist seit Jahrzehnten standardisiert und auch mit abgelaufenen Filmen kompatibel. Die vorgesehenen 38 °C, gepaart mit der kontinuierlichen Bewegung für 3:15 min gefallen jedoch nicht jedem gealterten Film, weshalb ich eine Entwicklung bei 20 °C mit einer schonenden Bewegung für 45 Minuten bevorzuge. Den E-6 Prozess für Positiv/Dia-Filme gibt es auch schon seit vielen Jahren – allerdings empfehle ich eine Cross-Entwicklung in C-41, damit die richtige Belichtung kein Glücksspiel bleibt.

Bevor falsche Hoffnungen entstehen: Kodachrome basiert auf dem K-14 Prozess. Eine Cross-Entwicklung in C-41 ist nicht möglich, da die Farbstoffe erst mit der Entwicklung zugefügt worden. Die hochgiftigen Original-Chemikalien sind mittlerweile zurecht verboten.

Generell würde ich Filme für obsolete Prozesse (C-22, E-4, etc.) meiden, da die Entwicklung sehr aufwändig bis unmöglich ist und die Bildqualität nach 50+ Jahren stark nachlässt.

Kodak Portra 800 (35mm)
Kodak Portra 800: 35mm, 6 Jahre abgelaufen, belichtet als ISO 400

Schwarzweiß-Filme sind dagegen erfrischend unkompliziert: Um ungewollten Lichteinfall entgegenzuwirken empfiehlt sich ein Entwickler mit Anti-Schleier-Wirkung, wie z.B. Kodak HC-110 – prinzipiell funktionieren aber alle aktuell verfügbaren Entwickler; vom 100 Jahre alten Rodinal bis zum modernen XTOL.

Sonderfall: 120/220-Mittelformat

Bei 120/220er Mittelformat-Filmen gibt es eine kleine Besonderheit: der Film ist mit einem Klebestreifen auf dem Rückpapier befestigt und wird so auf die Spule aufgezogen. Bei älteren Filmen (20+ Jahren) lohnt es sich, den Klebestreifen zur Sicherheit zu erneuern, falls dieser porös geworden ist. Dazu wird die Rolle im Dunkelsack oder in der Dunkelkammer etwas aufgerollt, der alte Klebestreifen entfernt und durch ein Stück Klebefilm oder ähnliches ersetzt. Fertig!

Kodak Portra 160 (645, 5 Jahre abgelaufen)
Kodak Portra 160: 120 / 645, 5 Jahre abgelaufen, belichtet als ISO 80

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